Lektorat und Co

Testleser! Rette sich wer kann!

Diese Woche möchte ich mit euch über Testleser sprechen.

Dabei möchte ich euch erzählen, wie ich meine gefunden habe. Wie sie mir helfen und wie sie mich in den Wahnsinn treiben.

Ersetzten Testleser das Lektorat?

Vornweg. Testleser sind wundervoll. Ihre Anmerkungen machen den Text besser, aber in den wenigsten Fällen ersetzten sie Lektorat oder Korrektorat.
Testleser sind Leser. Im besten Fall interessiert sie das Buch, es entspricht ihrem Geschmack. Sie werden sicherlich Ungereimtheiten finden. Sie werden auch zu der ein oder anderen Formulierung etwas zu sagen haben. Aber sie sind in den meisten Fällen keine Lektoren. Das solltet ihr von ihnen auch nicht erwarten, denn sie tun euch einen Gefallen. Es ist nicht ihre Arbeit. Das Manuskript Satz für Satz auseinanderzunehmen, dafür sind die Lektoren da.

Warum dann also überhaupt Testleser?

Wenn sie mir das Lektorat schon nicht ersparen, wozu habe ich die denn dann überhaupt?

Textverbesserung

Wie ich bereits erwähnt habe. Im besten Fall findest du Testleser, die in deinem Genre zu Hause sind. Noch besser ist, wenn sie ohnehin viel lesen. Denn diese Personen sind deine Zielgruppe. Haben sie Fragen? Finden sie etwas total unrealistisch? Fehlt der Spannungsbogen? War die Lösung zu kompliziert? Zu einfach? Kann man die Protagonisten leiden? Sind sie zu flach?
An ihren Fragen und Anmerkungen kannst du ablesen, an welchen Stellen du noch arbeiten musst.

Diese Information helfen dir deinen Text zu verbessern, aber das ist nicht der einzige Grund, warum ich meine Testleser so sehr schätze.
Es ist viel mehr die Kommunikation, manchmal steckt man an einer Stelle fest, oder biegt falsch ab und gute Testleser sagen dir das. So hat Kathy mich darauf hingewiesen, dass unser beider Lieblingscharakter im zweiten Band doch etwas mau herüberkommt und wenn ich es auch im ersten Moment nicht sehen wollte, sie hat recht. Aber sie sagen dir nicht nur, was fehlt. Sie erzählen dir auch, was sie besonders toll finden.

Motivation

An Jills Reaktion kann ich immer sehr genau herauslesen, ob die Stelle das aussagt, was ich ausdrücken möchte. Hasst sie mich, wenn alles den Bach runter geht? Findet sie diese eine Stelle eklig? Ist sie fassungslos, weil ich es gewagt habe ihrem Lieblingscharakter etwas anzutun? Jedes Mal, wenn sie so reagiert, wie ich es gehofft habe, hüpft mir das Herz. Ich versuche mit Worten ein Bild zu malen und sie sagt mir, ob sie zu der Melodie tanzen kann.

Manchmal habe ich das Gefühl, nur für meine Testleser zu schreiben, weil ich den Dialog über die Geschichte genieße, die Anmerkungen, die sie mir im Text hinterlassen, die Behauptung, ich wäre total unromantisch, aber dann kleben da an genau der Stelle, an der ich gehofft hatte lauter Glitzerherzchen.
Für Leser schreiben macht Spaß. Für Testleser schreiben, macht süchtig.

Wann bekommen die Testleser das Manuskript?

Ich glaube, das handhabt jeder etwas anders. Ich schreibe eine Rohfassung und überarbeite diese. Der Stil und die Formulierung ist noch lange nicht perfekt, aber die Geschichte steht. Dann gehen die Pakete raus.

Erst, wenn meine Geschichte die beiden begeistern kann, beginne ich mit dem Feinschliff. Ich arbeite ihre Kommentare ein, oder verwerfe sie. Ich formuliere und auch hier ändert sich noch einiges am Plot. Aber zu diesem Zeitpunkt weiß ich, die Geschichte ist auf einem guten Weg.

Für mich sind Testleser also nach der ersten Überarbeitung an der Reihe, auch wenn sie schuld dran sind, dass ich den zweiten Teil von Wolfkisses gerade mehr oder weniger komplett neu schreibe. Es treibt mich in den Wahnsinn, wenn sie recht haben und ich deswegen neue Ideen habe.

Wo also findet man Testleser?

Im Internet, auf Messen, manchmal stolpert man einfach über sie. Also eigentlich habe ich Jill 2017 auf der Buch Berlin kennengelernt und Kathy auf der Leipziger Buchmesse 2018. Ich hab das gemacht, was jeder Erwachsene macht, der Freunde sucht. Ich habe mich an ihnen festgekrallt bis sie sagten: „Okay du darfst bleiben.“

Aber das sind meine, die gebe ich nicht wieder her.

Testleser zu finden ist aber trotzdem kein Hexenwerk. Es gibt Facebookgruppen, die sich darauf spezialisiert haben Testleser zu vermitteln. Vielleicht findest du auch auf Twitter Kontakt zu den richtigen Leuten? Alles in allem hängt wieder alles von dem ab, was Zippi (Jasmin Zipperling) uns ständig predigt: NETZWERKEN! Ob im Social Media Bereich oder auf Events der Buchmesse. Trau dich, geh auf die Anderen zu. Sie beißen nicht.

Was könnt ihr noch tun?

Werdet zum Testleser. Selbst wenn das Buch schon erschienen ist!

Letztens hatte ich einen tollen Abend mit Ally und ihrem Buch „Ruf der Instinkte
Während ich das Buch gelesen habe, hab ich Sprachis mit ihr ausgetauscht. Lesen mit Autor sozusagen.
Und da ist mir aufgefallen, wie viel Glück wir auch als Leser haben so nah am Autor sein zu dürfen. Und wie viel Glück wir als Autoren haben so nah am Leser sein zu dürfen.
Weil ein Buch zu lesen und parallel dazu noch mit dem Autor darüber zu schreiben/sprechen oder ein Buch geschrieben zu haben und dann die Möglichkeit haben mit dem Leser darüber zu reden ist unglaublich.

Wir sind so nah aneinander, wie noch nie. Also sagt den Autoren, was ihr gut fandet, wo ihr Verbesserungspotential seht. Spätestens für das nächste Buch, dass wir schreiben können wir diese Tipps gebrauchen. Schreibt uns, schreibt Rezensionen, teilt euch mit. Vernetzt euch.

Wie immer, wenn euch der Artikel gefallen hat, würde ich mich freuen, wenn ihr ihn teilt!

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