Lektorat und Co,  Schreibroutine

Mythos: Die perfekte Rohfassung

Lasst uns heute mal über den Mythos „Perfekte Rohfassung“ sprechen.

Als ich damals angefangen hab zu schreiben, dachte ich, dass ein guter Autor seine Texte in einem Versuch schreibt. Bescheuert oder?
Aber ja, die Tatsache, dass ich noch kaum etwas über das Autorensein wusste, sorgte dafür, dass dies mein Irrglaube war.

Erst später habe ich erfahren, dass es nicht so ist. Eigentlich ist das logisch oder? Im Gegenteil, die wenigsten Autoren schreiben eine Rohfassung und drücken auf Veröffentlichen. Nun zumindest sollten es die Meisten nicht und wer wirklich gute Testleser hat wird das auch gesagt bekommen.

Auf dem Bild seht ihr das Ende der zweiten Überarbeitung von Wolfkisses – Clanmächte.
Trotz tausender Änderungen, gibt es noch einiges zu tun.

Ich hasse es z.B., im Text hin und her zu springen, während ich überarbeite. Darum mache ich mir kleine Notizen.
Die mache ich mir oft sogar schon beim Schreiben.

Bei Papyrus kann man die wunderbar an die Seite pinnen und da stehen dann Sachen wie:

• Welche Verletzungen hat welcher Charakter gerade.
• Name von Hotels/Bars die wieder gebraucht werden.
• Wörter der Redewendungen, bei denen ich darauf achten muss, dass sie nicht zu häufig vorkommen.
• Wenn ich noch einen Hinweis einbauen will. (Pro, wenn ich schon weiß wo er hinkommt)
• Was eine bestimmte Person gerade trägt, wenn es noch einmal erwähnt wird.
• Oder wenn Protagonisten noch Dinge bemerken müssen.

Welche Notizen ich mache, ist komplett unterschiedlich. Manchmal steht da sogar, dass ich noch ganze Szenen dazuschreiben möchte, oder aber, dass ich eine Szene noch einmal ansehen sollte, ob ich sie streichen will. Es kommt auf die Geschichte darauf an, und wie ordentlich ich vorher gearbeitet habe.

Gehen wir zurück zu dem Foto:
Nimmt man die Löschungen und die Einfügungen zusammen und dazu noch die Änderungen, die ich längst angenommen hatte … das sind fast 4000 Änderungen auf 250 Normseiten. Das macht ungefähr 16 Änderungen pro Seite.
Änderungen in der Story, in den Details, in der Formulierung und das ist die zweite Überarbeitung, du kannst davon ausgehen, dass es bei der ersten mehr waren.

Wenn du also das nächste Mal an deiner Rohfassung sitzt, denk daran:
Die Rohfassung gibt dir nur den Hinweis darauf, was aus euerer Geschichte werden kann. Lasst sie fließen, hab Spaß beim Schreiben! Schreib auch Dinge mit rein, die dir in diesem Moment vielleicht unsinnig vorkommen, ignoriere holprige Formulierungen. Es ist in Ordnung, dass zu machen.

Niemand erwartet Perfektion in der Rohfassung, du solltest das auch nicht tun.

Eine wirklich gute Geschichte, ein Buch, wird aus einer Rohfassung erst, indem man überarbeitet.
Wieder und wieder.
So oft, bis man zufrieden ist und dann sucht man sich Testleser, denen man vertrauen kann und bittet sie, gegenzulesen und mit ihren Anmerkungen überarbeitet man das Ganze noch einmal.

Also nicht verzweifeln. Tief durchatmen und die Rohfassung fertig schreiben und dann fang an zu spielen! Verbessere deinen Text, bis du ihn zu einem Standard gehoben hast, mit dem du arbeiten kannst.

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