Einzelne Szenen

Das Wichtigste bei Kussszenen

Heute wagen wir uns an Kussszenen.

Ihr wisst schon, die bei denen einem das Herz stehen bleibt und die man selbst erleben will, nicht die, die der Hund jeden Morgen abzieht, wenn er will, dass ich aufstehe.

Warum Kussszenen?

Jeder der in irgend einer weiße Romance schreibt, kommt früher oder später an die Stelle, dass die Protagonisten sich küssen woll/sollen/werden. Meine Lieblingsprotagonisten waren so oft kurz davor und haben es dann versaut. Woran lag das?
Zum einen war ich mir total unsicher, wie man einen Kuss schreibt. Küssen ist toll. Es macht Spaß, es ist die erste intimere Begegnung. Der erste Kuss hat etwas Magisches. Macht man es richtig. Ja, ich schreibe noch immer vom Schreiben. Macht man es falsch hat man einen Frosch in der Hand und die Chemie zwischen den Protagonisten ist dahin.

Recherche!

Generell bin ich ja immer für Feldforschung, aber es hat sich herausgestellt, dass es Gesellschaftlich nicht akzeptabel ist herumzugehen und Leute zu küssen, also greifen wir auf das zurück, was wir Wissen.

Wenn ich jemanden Küssen will, also wirklich will, dann ist das ein ganz bestimmtes Gefühl. Eine Sehnsucht, die langsam hochkocht. Erst waren da Blicke, dann ein Gespräch, dann vielleicht die ein oder andere zaghafte, vielleicht zufällige Berührung und dann steht man sich gegenüber. Das Herz klopft, der Gegenüber ist so nah, dass man ihn körperlich spürt, obwohl da noch etwas Platz zwischen uns ist. Der Puls beschleunigt sich, wir nähern uns. Zögern. Alles um uns herum ist vergessen, nur das Rasen der Herzen. Die Lippen, die sich nähern. Ich atme ein, weil die Luft plötzlich erfüllt ist von seinem Duft und mich so noch näher an ihn zieht. Unsere Lippen berühren sich, was ist das? Süß? Herb? Seine Hände vergraben sich in meinen Haaren und ich drücke mich an ihn. Da ist kein Gedanke mehr. Außer vielleicht das Verlangen nach mehr und wie von selbst gleiten meine Hände an seine Hüften, klammern sich fest, damit der Moment nicht endet.
Mit ein bisschen Glück stürze ich jetzt keine Treppe hinunter, mir fällt nichts auf den Kopf und keiner übergießt mich mit kaltem Wasser.

Wo waren wir stehen geblieben? Also was wissen wir? Wir wissen wer sich küssen soll, der Leser weis am besten schon, wie die beiden zueinander stehen und das ist im besten Fall romantisch. Wobei nichts gegen einen wütenden Kuss zu sagen ist, der auch viel über die Personen vermitteln kann.

Charterübertragung beim Küssen. (Das klingt irgendwie falsch)

Im Allgemeinen ist es gut, wenn ein Kuss etwas über die Personen aussagt. Wie sind sie? Schüchtern, zurückhaltend? Fordernd? Offen jedes Risiko eingehend?
Keiner glaubt, dass das Mauerblümchen sich den Schwarm greift, gegen die Wand drückt und küsst. Oder vielleicht doch, weil in ihr schlummert der Mut eines Löwen? Ein scheinbar offener Mensch kann jedoch plötzlich schüchtern und zerbrechlich sein, wenn es darum geht diesen Schritt zu gehen.
Baut mit ein, was ihr habt. Gefühle, Gerüche, den Geschmack, Geräusche, Bartstoppeln. Umso mehr man sich in die Protagonisten hineinversetzten kann, umso sehnlicher will man den Kuss als Leser und vielleicht auch als Autor. Lasst euch mitreißen. Die Protagonisten führen euch gerne und wenn nicht, könnt ihr immer noch mit dem Elektroschocker drohen.

Ist das eine Toilette?

Achtet auf die Umgebung. Ein Kuss auf einer Bahnhofstoilette ist bei weitem nicht so romantisch wie der auf dem Bahnsteig, kurz bevor einer der beiden in den Zug steigt um auf unbestimmte Zeit davonzufahren.

Show don’t tell

Drückt die Gefühle aus, ohne sie beim Namen zu nennen. Hast du schon einmal bei einem ersten Kuss an Gefühle gedacht? Oder war es eher ein Herzklopfen? Show don’t tell! Ich will Gänsehaut, keine Abhandlung.

Benutzt die Worte eurer Protagonisten. Ein Stilbruch bringt nur Unruhe und der Kuss wirkt gestellt. Unecht.

Und die anderen Küsse?

All das gilt auch für einen Kuss, der gar nicht romantisch ist. Einer, der Ablenken soll. Einer, der erzwungen ist. Einer, der gestellt ist. Jeder Kuss hat eigene Emotionen, nehmt sie mit! Übermittelt es!

 

Soviel zu diesem Thema. Wenn dir er Artikel gefallen hat würde ich mich freuen, wenn du ihn teilst oder pinnst.

 

 

 

 

 

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2 Kommentare

  • Nadine Klein

    Ein schöner, sehr hilfreicher Beitrag! Bei der Überarbeitung meiner Geschichte werde ich definitiv auf deinen Beitrag zurückgreifen. Besonders das mit der Charakterübertragung ist ein interessanter Punkt über den ich bisher gar nicht so nachgedacht habe.
    Viele liebe Grüße
    Nadine

    • Katania

      Hallo Nadine,

      es freut mich, das der Beitrag dir helfen konnte! Ich nutze die Handlungen von meinen Protagonisten gerne für die Charakterübertragung, es macht sie einfach realer.

      Liebe Grüße
      Katania

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